Heilpraktiker in der DDR: der unbekannte Beruf

Liebe Leser,
Rufe wie: „Sie sind wohl der Biochemiker?“ oder „Heute spricht ja der Homöopath!“ kennzeichnen regelmäßig den Beginn meiner Vorträge in Apotheken oder Senioreneinrichtungen.
Kaum ein Vertreter der interessierten Leute, die da vor mir sitzen weiß, was ein Heilpraktiker so macht.
(ganz abgesehen von den „wissenden“ Lächlern aus den medizinisch-akademischen Berufen)
In der DDR hat es den Heilpraktiker gegeben. Er war eine Art Geheimtipp. Man nahm weite Reisen auf sich um zum „Homöopathen“ (denn diese Richtung war die gängigste) zu gelangen. Ich kenne inzwischen einige Patienten der „alten Garde“, welche mir Rezepte von damals praktizierenden Kollegen zeigten. Und: ich lerne gerne davon; schaue mir manchen Tipp an. Ja- es gab sie, die Kollegen, die ihre Ausbildung schon vor dem Krieg absolvierten und welche in der DDR unschätzbare Dienste am Menschen leisteten.
Heute ist dennoch ein Informationsdefizit im Ostteil Deutschlands, was den Heilpraktikerberuf angeht, noch immer vorhanden.
So habe ich es mir dann auch schnell angewöhnt, an den Beginn so eines Abends den Menschen kurz zu erzählen was den Beruf , meinen Traumberuf, so ausmacht.
Ich erwähne immer, dass mehr als 80% der Kolleginnen und Kollegen Abitur haben, wenn sie ins Studium /die Berufsausbildung einsteigen. Wichtig ist mir, dass die Schulmedizin höchstselbst die Prüfung abnimmt, die durchschnittlich 50% im ersten Anlauf nicht bestehen.
Viel bedeutsamer jedoch erscheint es mir, daran zu erinnern, was den Beruf des Heilpraktikers in meinen Augen so wertvoll macht.
Das ist neben der echten Alternative zu einer technisierten und unmenschlichen „Minutenmedizin“ die Einmaligkeit der Gesamtsituation in Deutschland.
In keinem anderen Land gibt es ein Heilpraktikergesetz, welches die Ausübung unseres Berufes in dem Umfange ermöglicht.
Heilpraktiker sein ist Berufung, ist Teilhaben an der Verantwortung einer Zwischenmenschlichkeit im Verhältnis Patient – Therapeut.
Der Heilpraktikerberuf ist der Stachel im Pelz des autorisierten und mechanisierten Medizinbetriebes, in der Hauptsache jedoch die einmalige Chance für den Mitmenschen, Heilung, Helfen in einem anderen Kontext entdecken zu können!
Natürlich gebe ich hier meine Meinung wieder. Aber ich denke, ein wenig Dankbarkeit ist angebracht, dass wir in diesem Land den Beruf ausüben können.
Seien Sie also gespannt, was Ihnen Ihr Heilpraktiker so zu bieten hat. Erwarten Sie Zuwendung, Verständnis und haben Sie Vertrauen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.