TCM-Akupunktur. Oder: Verstehen Sie chinesisch?

Liebe Leser die TCM, die traditionelle chinesische Medizin ist in beinahe „aller Munde und als Nadel in aller Haut“, möchte ich sagen.
Und der zu grunde liegende Gedanke ist völlig berechtigt.
Selbst das ZDF widmet sich aktuell der Problematik TCM in einem Zweiteiler. Meine jarhrzehntelange Erfahrung im Gesundheitssystem (oder besser krankheitsverwaltenden System europäischer Machaart) bestätigt die beinahe 100% Richtigkeit der Facetten dieser Komödie /oder Tragödie im Deutschen Fernsehen. Das geht von der Stellung des Pflegepersonals im Verhältnis zur Ärzteschaft (Bitte beachten Sie die Bedeutung der Worte: man hat in Deutschland schon immer das „Personal“ welches man mit Vornamen anspricht und die „Ärzteschaft“) bis hin zu den wirklichen Chefs in Krankenhäusern- den Geldgebern. Und nur diese entscheiden über das was Sie und ich als Patient an Behandlungen erhalten. So also ganz richtig dargestellt im Fernsehen.

Nun zur Traditionellen Chinesischen Medizin. Sie ist mitnichten nur Akupunktur oder Teerezept. Sie ist eben vor allem Eines:
TRADITION eines Volkes, Teil eines Kontinents. Gewachsen in mehr als 4000 Jahren. Und nun eiligst nach Europa importiert.
Es versuchen sich an ihr Fachleute bis hin zu Wochenendkursisten, die mal eine Akupunkturnadel in der Hand hielten.

Beides begegnet dem Suchenden: die in Deutschland angestellten chinesischen Ärzte und die deutschen Ärzte welche in China studiert haben. Aber auch die anderen Berufsgruppen welche sich als Therapeuten mit chnesischer Abfärbung versuchen.

Wer heilt hat Recht.
Das ist letztlich wahr.

In meine Praxis kommen in letzter Zeit leider immer wieder Patienten, die sich mit TCM haben behandeln lassen und dabei von widersrüchlichen Praktiken berichten. Sie waren bis hin zu anerkannten TCM Zentren, wo Ärzte aus China selbst zu finden sind.
Die „echten Chinesen“. Bitte schmunzeln Sie nicht.

Ich habe auch als Niederländer (dort gibt es TCM schon länger und sie ist weiter verbreitet als in Deutschland) Behandlungen durch chinesische Ärzte genossen. Was mein Eindruck war und eben auch der meiner Patienten: es prallen Kulturen aufeinander.

Die Sprachbarriere wird mit Händen und Füßen überbrückt oder es wird übersetzt. Wie mir ein Patient berichtete, der in einer namhaften TCM Klinik in Behandlung war: „Die Dolmetscherin übersetzt das was ich in drei Minuten dem Arzt sagte in 10 Sekunden!“
Nun mag das an der Unkenntnis des Patienten liegen, was die chinesiche Sprache betrifft.
Jedoch geht es doch in unserem europäischen Verständnis im zwischenmenschlichen Arzt-Patientengespräch etwas anders zu. Zwar klagen wir über die 5 Minutenmedizin der kassenärztlichen Praxen. Begeben uns dafür in eine Situation wo ein Übersetzer einem gänzlich anders denkenden und fühlenden Arzt unsere Probleme anvertraut.

Was ist erstrebenswerter? Das frage ich Sie und frage es mich auch seit einiger Zeit.
Unsere Kultur unterscheidet sich gänzlich von der ostasiatischen Kultur.

Die Begriffe Gesundheit und Krankheit ebenso.

Auch der Schmerz als solcher wird in Deutschland anders empfunden als in Asien und meist wegtherapiert.

Dort wird Schmerz eher als Methode des „Erduldens und der Läuterung, bevor es besser werden kann“ verstanden.

Wer Moxabehandlungen kennt, weiß das. Moxa, also die Wärmeanwendung von Beifußkraut auf der Haut wird in chinesischer Tradition oft bis hin zur Brandblase praktiziert.
Natürlich, die chinesiche Denkweise sagt auch, dass man seine Krankheit sein müsse, um sie endlich zu verstehen und loszulassen.
Das ist tiefste Weisheit. Allgemeingültig! Absolut.
Aber- verstehen wir Europäer diese Aussage so einfach?
Warum ist es nicht besser, hier vor der eigenen Haustüre zu schaun?  Unsere Kräuter wachsen hier. Unsere Ärzte sind hier. Und auch die in unserer Tradition arbeitenden Heilpraktiker.
Eine Patientin sagte mir auf meine Frage hin, ob sie denn Chi Gong (ich liebe Chi Gong und bin sehr davon überzeugt) weiterhin anwende sinngemäß: „Da wird in der Klinik jeden Tag in der Gruppe mit den Armen gewedelt und geatmet. Toll das Gruppengefühl. Aber alleine ist das albern.“
Ja, sie hat es nicht verstanden. So sehe ich das auch.
Warum kann man dieser Frau denn nicht Kneipsche Anwendungen verschreiben oder einen Waldlauf bei Mutter Natur?
Verstehen Sie? Hätte Chi Gong seine Wichtigkeit in Europäischer Tradition wäre es längst schon tausend Jahre hier. Ist es aber nicht, sonder wird uns quasi verschrieben.

TCM ist eine wirklich GROSSE Medizin. Ich meine sie ist über jede Kritik erhaben.

Aber ob sie sich ohne die nötigen Missverständnisse in deutsche Denk-und Fühlwelt integrieren läßt, bezweifle ich. Und mit mir viele Menschen, die eine Hoffnung ärmer geworden sind.
Meine Vorschlag wäre, das anzunehmen, was TCM uns bieten kann und mit unserem Selbstverständnis der Gesundheit und Krankheit zu kombinieren.
Eine Hochzeit beider Traditionen mit Therapeuten die unsere Sprache sprechen.
Einfach?

Ich meine, ja! Es ist einen Versuch mehr wert, Gutes von beiden Seiten miteinander zu kombinieren und den Patienten davon profitieren zu lassen.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: eBook für Kindle Reader und Tablets

  2. Ihrem Artikel stimme ich zu.
    Selbst an Fibromyalgie leidend, war ich Patientin einer TCM Klinik.
    Genau das, was Sie in Ihrem Artikel erwähnten, widerfuhr auch mir.
    Ich kam mit großen Erwartungen die allesamt entäuscht wurden.
    Die Visiten waren mit Dolmetscherin. Der Arzt war manchmal chinesischer Herkunft, ein anderes Mal kam ein deutscher Kollege. Ich hatte hier das Gefühl, zwar keine Nummer zu sein, aber Teil eines Experiments: „Integration einer abgemagerten chinischen Medizin ins Krankenkassendeutschland“.
    Von allem wurde uns etwas geboten: es war großartiges Entertainment. Auch Chi Gong oder Tai Chi oder andere Entspannungsübungen wurden gegeben. Das tat sehr gut.
    Am Ende nach der Entlassung steht man mit seinen chinesichen Kräutern jedoch alleine da.
    Und dann frage ich mich, wie lange der Placeboeffekt hält.
    Denn alle meine Mitpatienten, mit denen ich mich noch schreibe, haben ihre alten Beschwerden zurück.

  3. Guten Tag, kann Frau Klein nur zustimmen. In vielen chinesischen Behandlungen bei China-Ärzten waren Ergebnisse unterschiedlich-mal sehr gut ,mal null. Gut, das endet in der allgemeinen Medizin eben oft so .

    .ABER:4 Wochen in einer bekannten TCM Klinik in Bayern waren echt verlorene Zeit- hier wird echt chinesische Medizin im Mini-Format angeboten (Etwas AkupunkturODER Tina(beides geht nicht), Teeangebot, ein bisschen Massage, und vor allem Chigong /TaiChi damit die Zeit vergeht, (Bewegung ist ja gut, aber nicht als fast Hauptanwendung)..
    Das Essen ist sehr gut aber in keinster Weise auch nur annähernd chinesisch .Nebenbei: Die Pflegekräfte sind sehr gut und aufmerksam.)
    Hauptschwerpunkt ist, um die Krankenkassenzulassung zu erhalten,eine Art von Psychologie. Und die ist echt unterhaltsam, also eher zum Lachen.Massensitzungen mit sinnlosen Befragungen ,Einzelsitzungen mit ziemlich ahnungslosen und eher behandlungsbedürftigen psychologischen Beratern/innen,Ärztevorträge, die auch eher Zeitver(sch)wendung bedeuten, kurz:FAZIT: Eher NULL, außer bei psychologisch Angeschlagenen, die sich kurzfristig endlich angehört und verstanden fühlen. Echte Besserung habe ich von so gut wievon niemandem erfahren können. Ich selbst fuhr in unverändert schlechtem Zustand wieder (auch mit chinesischen Kräuterrezepten 🙂
    versehen )und sogar ohne Placeboeffekt nach Hause.
    Ja das ist meine subjektive Bewertung.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.