Heilpraktiker- unser Beruf „..unter Beschuß“

Kennen Sie auch die Praxen die sich als „Heilzentren“, „Praxiszentren“, ja gar „naturheilkundliche Kliniken“ bezeichnen?

Wenn Sie dann einen Termin bekommen staunen Sie nicht schlecht, dass was sich „Zentrum der Naturheilkunde“ nennt in Wirklichkeit als eine aus zwei Zimmern bestehende, mit second Hand Möbeln und Selbstgebasteltem ausgestattete Wohnung herausstellt.

Nun könnten Sie sagen: „Was soll das? Es kommt auf die Art der Behandlung an.
Das Äußere sagt nichts über das Können des Therapeuten!“

Oder?

Nun, meine Meinung dazu ist, dass wir Menschen sehr wohl spüren, wenn etwas stimmig ist oder nicht.

Was meine ich damit?
Die Meisten erfassen, zwar unbewußt, wenn eine Einrichtung wie etwa eine naturheilkundliche Praxis, auch ein Kosmetikinstitut oder ein Fitnesscentrum etwas verdeckt suggeriert, was es dann offen zu halten nicht Imstande ist.

Seit 2016 und besonders in 2017 gibt es vermehrt kritische , öffentlich diskutierte Fragen bezüglich des Heilpraktikerberufes.

Die Forderungen (hauptsächlich seitens der Ärzte) reichen von drastischen Einschränkungen der Befugnisse bis hin zum Abschaffen der Heilpraktiker.

Ich meine, dass ein Großteil dieser Unruhe und wohl auch realen Bedrohung des Berufes in seiner heutigen Form ein zum Teil hausgemachtes Problem ist.

Als naturheilkundliche Therapeuten stellen wir uns einem freien und marktwirtschaftlichen Regeln unterworfenem System der Gesundheitsversorgung.

Alles ist zu tragen von den Patienten.

Wir sind die Dienstleister, Sie liebe Patienten fordern „Ware höchster Qualität“ für Ihr Geld.

Und erschwerend kommt hinzu, dass Sie diese Ware nicht einmal buchstäblich anfassen können. Denn die Ergebnisse, welche Sie von uns Heilpraktikern erwarten haben etwas mit dem Begriff Hoffnung zu tun.

Hoffnung kann man weder messen noch wiegen. Es gibt keinen Hoffnungs-Bluttest und auch keine Hoffnungs-Röntgenbilder.
Hoffnung auf eine Verbesserung Ihres Gesundheitszustandes ist der Hauptgrund, der Sie zum Heilpraktiker bringt.

Hoffnung gepaart mit Vertrauen.
Und beide Begriffe sind nicht in einem Raster zu erfassen.

Wohl aber wissen Sie selbst genau, was Sie sich erhoffen, wenn Sie sich zu einer Konsultation entschließen.

Ganz im Gegensatz dazu die Ärztebranche (Ausnahme sind die Privatärzte).

Die Ärzte unterliegen einem geplanten, von Staat und Kassen getragenem System.

Unser Staat hat per Gesetz Abhängigkeiten von diesem Berufszweig kreiert. Was meine ich damit?

Jeder von uns braucht einen Krankenschein oder ein Gutachten (z.B. für die Fahrtauglichkeit) zu bestimmten Zwecken.

Das verleiht dieser Berufsgruppe eine unerhörte und einmalige Machtposition im Staat.

Sie sind Nummer, Patient, Versicherter.
Es ist egal, wie der Auftritt des Arztes, der Praxis oder der äußeren Umstände sich gestaltet.

Ganz einfach- Sie kommen nicht um den Arzt herum, wenn Sie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung benötigen.

Hier braucht es keine Harmonie zwischen Namen der Praxis, Ausstrahlung, Einrichtung, Aussage und wohl am Wichtigsten dem Therapeuten selbst.
Hier, in der Arztpraxis sind die Verhältnisse zwischen den handelnden Personen einfache Abhängigkeitsverhältnisse.

Nun zur Berufsgruppe der Heilpraktiker.

Vom Umfang und Tiefgang der Arbeit mit den Hilfesuchenden stehen die Heilpraktiker den Ärzten in nichts nach.

Im Gegenteil.
Was Tiefgang und wie es heute so schön heißt, Nachhaltigkeit betrifft, sind die Forderungen an die Berufsgruppe der Heilpraktiker viel größer.

Von ihrem Hausarzt erwarten die wenigsten Menschen, dass er sie gesund macht.
Es reicht eine Ansprechadresse für den Krankenschein und die als notwendig eingestuften Medikamente.
Zeit für tiefgehende Gespräche findet der Arzt im Allgemeinen kaum.

Ganz anders der Heilpraktiker.

Die Menschen setzen voraus, dass sie dort gehört werden. Zeit ist der tragende Faktor.

Und für mich persönlich spielt der Begriff „Zeit“ im Umgang mit meinen Patienten tatsächlich die erste Geige.

Ich vermeide seit Anbeginn die schattengleiche Übernahme symptombezogener ärztlicher Therapien in meine Praxis.

Was tat ich früher, bevor ich Naturheilkundler wurde? Ich gab chemische Medikamente.
Und genau DIES wollte ich danach nie tun: „Statt chemischen nun natürliche Medikamente verordnen aber auch ohne nach den wahren Problemen der Menschen zu fragen.“

Sie lieber Patient stehen nun vor dem Entschluß einen Heilpraktiker zu konsultieren.

Sie orientieren sich, wie die meisten, im Internet. Sie finden Webseiten mit netten Aussagen.

Sie sind informiert über den Werdegang, oft sind es artfremde Berufe, die rein gar nichts mit Medizin zu tun haben, die Ihre zukünftigen Heilpraktiker ausübten.

Sie lesen weiterhin, welche familiären Hintergründe Ihre zukünftigen Therapeuten haben, inklusiv Kinderschar, Hobbies und Haustieren.

Danach informiert Sie der Therapeut über zahlreiche (oder zahllose) Weiterbildungen, mit denen er Ihnen beweisen will, wie kompetent er sich achtet, Sie behandeln zu dürfen.

Die Tarife werden z.T. mitgeteilt und geben einen Eindruck darüber, wieviel die Servieleistung des Therapeuten sagen wir im Vergleich zum Service der Autowerkstatt Ihres Vertrauens wert ist.

(Spätestens jetzt lohnt sich ein Blick auf die Homepage eines Privatarztes, einer ärztlich geführten Klinik für Faltenbehandlung oder einer psychologischen Beratungspraxis.)

Es lohnt sich insofern, weil Sie in diesen Internetauftritten einen Eindruck davon bekommen wie es ausschaut, wenn Preis mit der Leistung harmoniert.
Wo auch Ihre persönliche Erwartung, nur Bestes für Ihr gutes Geld zu bekommen, zunächst einmal erfüllt wird.

Sie werden auch vergeblich nach der Anzahl der Kinder oder den Hobbies der Ärzte suchen.
Unter uns gesagt, interessiert Sie das denn überhaupt?

Nach gründlicher Recherche haben Sie dann einen Termin in der naturheilkundlichen Praxisgemeinschaft „Sonnenblume“ (oder besser „Helianthus“-denn wir geben gerne preis, dass wir der Fachausdrücke mächtig sind) oder in einem Heilzentrum XY.

Bitte seinen Sie dann nicht bestürzt, wenn Sie am Eingang die Schuhe ausziehen und die Füße in gemeinschaftlich getragene Pantoffeln (alles ökologisch-vegan) stecken müssen.
Viel Selbst-Entworfenes im Sprechzimmer, der Kräutertee und das kristallbespielte Leitungswasser sind die Charakteristika der Praxen, die von Heilpraktikern geführt werden.

Ja!
Sie haben Recht. Es kommt nicht auf Äußerlichkeiten an.
Aber ein gewisses Unbehagen bleibt hängen. Die Diskrepanz zwischen dem unausgesprochenen Versprechen der vielen Weiterbildungen und der faden, farblosen Wirklichkeit.

Das Tragische kommt jedoch erst jetzt.

(Und vielleicht werden Sie verstehen, warum ich Eingangs postulierte, dass viele Probleme des Berufszweiges „Heilpraktiker“ quasi hausgemacht sind.)

Die naturheilkundlichen Therapeuten sind zumeist wirklich gut ausgebildete, integere und herzensgute Menschen. Menschen, die nichts lieber wollen, als Ihnen persönlich den bestmöglichen Weg zu einer besseren Gesundheit zu ebnen.

Wo liegt dann der Haken?

Ich denke, das Problem liegt in der Eigenwertschätzung und Selbstwahrnehmung der meisten Heilpraktiker selbst.

Wenn ich als Heilpraktiker in einer Hinterstube, die ich Heilzentrum nenne in Teilzeitarbeit zu Discounttarifen meine Patienten behandle, nehme ich mich selbst nicht recht ernst.

Und ich kann das auch nicht von meinen Patienten erwarten.

Und bitteschön schon gar nicht von der Berufsgruppe, die ungewollt, mein einziger Konkurrent ist- den Ärzten.

Meine Erfahrung ist: „Leiste ich innerhalb einer Marktlücke Großartiges und Einmaliges für meine Patienten, so ist die Lokalität sekundär.“ (was der Zulauf zu einigen wenigen Praxen z.B. in Berlin zeigt)

Dabei ist potentiell jeder Heilpraktiker in der Lage sowohl eine Spezialität und damit eine Marktlücke zu finden, als auch Großartiges zu leisten.

Nur muß „Innen und Außen“ übereinstimmen.

Sie als Patient merken schnell, wo sich die Spreu vom Weizen trennt, wo eine Praxis solide ist und wo Ihnen Fachwissen, Berufserfahrung und auch menschliche, soziale Kompetenz angeboten werden.

Praxen, in denen die Therapeuten, die hervorragende Arbeit leisten, sich diese auch sehr gut bezahlen lassen.

Na klar: unsere Patienten vergleichen uns mit der Ärzteschaft.
Und wir leisten als Heilpraktiker Vergleichbares!

Mein Tipp: Drum prüfe (als Patient), was sich lange (an den Heilpraktiker) bindet, ob sich nicht doch was Bess´res findet!