Der „ganzheitliche“ Ansatz der Heilpraktiker. Was ist das?

was ist ganzheitlich beim Heilpraktiker

In der Ausgabe der Lutherbibel, Neues Testament, findet sich dieses Zitat: „Als sie ihn nun beharrlich so fragten, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. (Joh 8,7; LUT)“

Im Sinnzusammenhang wird die „Sünde“ oft mit „Fehler“ ersetzt. Freilich kann man sich über den wirklichen Inhalt beider Begriffe lange auseinandersetzen. Ob dabei etwas Sinnhaftes herauskommt, sei mal dahingestellt.

Ich meine, als ich dieses Zitat und das Bild welches ich auf einer meiner vielen Reisen zu Seminaren die ich als Dozent gebe aufnahm, mit dem Begriff „Fehler“ etwa ganz anderes.

Irren ist menschlich und Fehler sind das auch. Ob daraus gleich eine Versündigung (gegen wen??) entsteht, verneine ich einmal.
Das sollen sich all die fragen, die den Begriff Spiritualität mit Religiosität verwechseln.
(immerhin bin ich hier in meiner ganz privaten Meinungsrubrik-da darf ich das)

Wo ich hin will, ohne gleich gänzlich abzuschweifen?

Ich möchte meine Gedanken zum Thema „ganzheitlich“ an den Mann bringen (Frauen dürfen sich angesprochen fühlen).

Es gab da diese Anfangsjahre, in denen ich nicht mehr „grün“, eher „reif“war. Immerhin befand ich mich am Ende der Dreißiger, als ich mich immer mehr in die Naturheilkunde stürzte.

In jenen Jahren lief ich zum Teil im weißen Kittel. Ich war es wohl so gewöhnt.
Aber, Hand aufs Herz, welcher der Heilpraktiker (besonders die Herren) fühlt nicht einen kleinen Freudenhormonschub, wenn er Kraft des weißen Arztattributes mit „Herr Doktor“ angesprochen wird? Und sei es nur ein kleiner Sekundenbruchteil.
Und das hatte ich auch. Denn ich kam ja aus dem Weißkittelland.

Nebenbei gesagt mußte ich neulich schmunzeln, als ein wirklich sehr würdiger älterer Kollege Heilpraktiker, bei dem ich einen Kurs besuchte, eiligst seinen Kittel anzog bevor er die Probandin empfing. Sie erstarrte auch pflichtgemäß ein paar Sekunden sichtlich ehrfürchtig. Tja..

Ich hatte mir in den Anfangsjahren ganz fest vorgenommen, den ganzen Menschen zu behandeln. Immerhin war ich doch Heilpraktiker.
Was ich auch verkündete. Meine Patienten (damals nannte ich die Menschen, die meinen Rat suchten in Unwissenheit noch „Patienten“) gingen davon aus, ganzheitlich behandelt zu werden.
Was damit gemeint war, unterstrich ich dann im Gespräch wo ich erklärte, dass ich gemeinsam mit den Patienten nach den Ursachen ihrer Leiden suchen würde.

Ich glaubte das auch, wenngleich ich aus heutiger Sicht überhaupt keinen Plan hatte, wie ich irgendwelche Ursachen finden sollte, die nicht schon die klassische Medizin mit all ihren diagnostischen Verfahren hätte finden können.

Und Sie müssen wissen, der überwiegende Teil aller Leute die zum Heilpraktiker gehen, sind völlig durchgecheckt und gründlich über Jahre ärztlich oder psychologisch betreut.

Also warum fand man die Ursachen nicht?

Wie wollte ich denn dann die Ursachen für den Hautausschlag oder die depressiven Episoden samt Erektionsstörung finden?

Ich wußte es nicht. Dass ich dennoch durchaus sichtbare Erfolge erzielte, erfüllt mich heute mit großer Dankbarkeit.
Denn das Ganze hatte wirklich nichts mit meinem, wie ich deklamierte, ganzheitlichem Ansatz zu tun.

Und so ist es heute noch immer.

Gehen Sie zu einem naturheilkundlich tätigen Therapeut, einem Arzt, Heilpraktiker oder psychologisch arbeitenden Heilpraktiker und Sie begegnen dem Begriff „ganzheitlich“ oder „holistisch“ auf Schritt und Tritt.

Und manch einer der zumeist echt sehr klugen Therapeuten meint wirklich, er behandle den „ganzen“ Menschen, wenn er z.B. einem Patienten mit Adipositas vorsichtig versucht zu erklären, dass er eine Grenzproblematik habe. Gleiches würde er einem Patienten mit einer Ekzemerkrankung auch sagen müssen.

Oder vielleicht haben Sie auch schon von Heilpraktikern gehört, die ihren Patienten sagen, sie würden von irgendetwas „die Nase voll“ haben, wenn sie mit dem Problem einer Nasennebenhöhlenerkrankung in der Sprechstunde erscheinen.
Sie hören das von Ihrem Heilpraktiker und staunen oft, denn er spricht dann etwas an, dass so zu sagen völlig neu ist für Sie.
Wenn er damit jedoch meint, dass er Sie nun „ganzheitlich“ betrachten würde, dann verkauft er (wie gesagt ungewollt) eine Mogelpackung.

Denn meistens hört damit die Ganzheitlichkeit schon wieder auf. Und setzt die naturheilkundliche Therapie ein.

Es wird „saniert“, „entgiftet“ und „gespült“. Nadeln, Globuli, Eigenblut kommen zum Einsatz. Manch einer (wie ich es immer noch tue) setzt Infusionen ein.

Aber ist das Ganzheitlichkeit, Holistik gar?

Nein, ganz sicher nicht.
Denn hier ersetzt der Therapeut lediglich chemische Medikamente mit Naturheilmitteln.
Und das ist völlig oke! Sicher ist damit vielen, wirklich vielen Patienten gedient.

Aber ganzheitlich? Nein!

Vielleicht will nun jemand wissen, wann ich den Sprung in Richtung holistisch-ganzheitlich schaffte und ob überhaupt?

Ja?

Na dann..

Ich meine alles ist eine Frage des Bewußtseins, nein nicht der Perspektive.

Sich über etwas bewußt sein. Auch das „bewußte Sein“.

Die deutsche Sprache gibt das her. Warum, so rede ich mit den Klienten (früher waren das die Patienten), sollten wir eben nicht bei „Adam und Eva“ anfangen, wie es mir mal eine Klientin quasi vorwarf?

Wenn ich als Therapeut, heute sage ich viel lieber „Mentor“ zu dem was ich tue, mich dem Wesen des Menschen der mich konsultiert annähern will, braucht es Gründlichkeit.
Und- Bewußtsein.

Gründlich war ich in meiner Welt als damaliger Heilpraktikerneuling auch schon. Aber mir fehlte das Bewußtsein der Ganzheitlichkeit.

Mir ist heute klar, dass eine Erkrankung nur dann gesehen und geheilt werden kann, wenn ich ihre Ursache grundsätzlich niemals auf der körperlichen Ebene suche.
Jede Krankheitsursache liegt auf einer nichtkörperlichen Ebene des Seins. Punkt.

Und das ist im Prinzip schon alles.
Wer das leugnet, wird niemals wirklich helfen können.

Der Klient braucht diese Erkenntnis natürlich auch.

Aber in erster Instanz ist der Therapeut gefragt.

Ich schließe die klassische Medizin völlig aus. Denn diese sucht niemals nach Ursachen. Sie ist weder ganzheitlich noch ursachengerichtet.
Und sie wird aus diesem Ansatz heraus auch nicht heilen können.
Und ich glaube, sie will es auch nicht wirklich.

Alles wonach wir suchen sollten, liegt eingebettet in universellen Regeln.

Denn wer diese, der ganzen Menschheit zugänglichen, Gesetze kennt kann ihre Entfaltung in seinem eigenen Leben zurückverfolgen.
Damit wird er unweigerlich Muster erkennen.

Das ist, was wir mit den Klienten tun: wir erklären die Gesetze. Wir gleichen sie mit den Erlebnissen und Prägungen der persönlichen Vergangenheit ab.

Die körperlichen Beschwerden behandeln wir- klar!

Wenn ein Schmerz da ist oder ein Ekzem, dann will man, dass die Belastung nachläßt oder aufhört.
Das hilft aber nicht, die Ursache zu identifizieren und zu einem Rückfall zuvorzukommen.

Ich lernte durch Kabbalahlehrer (bitte nicht verwechseln mit den illustren bunten Leuten, die Ihnen Kabbalah als „Lebensanalyse“ -was soll das sein??- verkaufen wollen)
Also von diesen Lehrern (und es waren sowohl Männer mit und ohne Bart, jünger und älter, als auch Frauen) lernte ich im Grunde unendlich mehr als in all den Jahren meiner Ausbildung und meiner Studien in der Medizin.
Warum? Ganz einfach, weil sie mir die Gelegenheit gaben, in Zusammenhängen zu denken.
Schritt für Schritt erkannte ich in einem Weg, der nur aufhört, weil das Leben ihn begrenzt.
Und der Weg ist jedem Menschen ein persönlicher Weg.

Deshalb werden bei mir in den Begegnungen auch die Zusammenhänge erarbeitet, die zu den Ereignissen geführt haben, die Menschen so lange Jahre im gesundheitlichen Bann halten.

Wenn, wie gerade passiert, jemand anruft der an furchtbaren Nebenwirkungen eines Medikamentes gegen Haarausfall leidet, dabei mir erzählt er habe davor ein Mittel bekommen gegen Akne- dann fangen wir noch vor dem ersten Mittel an.
Die Frage ist doch nicht, welche Nebenwirkungen ein Medikament hat, sondern warum ein Mensch so weit kommt, dass er in seinem Zustand ohne chemische Medikamente nicht mehr auszukommen meint.
Und welche Kette von Ereignissen in seinem Leben hat ihn soweit gebracht, dass er „der Meinung“ war, Symptome zu entwickeln?
Sie lesen richtig: jemand ist „der Meinung“.

Der Körper entwickelt nur Symptome, wenn der Geist/die Psyche von mir aus, aus der ihr eigenen natürlichen Balance geraten ist. Und zwar niemals in einer anderen Reihenfolge.

Insofern ist es völlig egal, ob ein Therapeut chemische oder Medikamente natürlichen Ursprungs einsetzt. Wer die naturgegebene Reihenfolge davon, wie sich Krankheiten entwickeln, nicht beachtet (oder sie nicht kennt), kann keine befriedigenden Erfolge erzielen.

Mensch, suche Dir einen Therapeuten, der das beachtet und Du bist gut aufgehoben!

Kommentar (1)

  1. Sehr geehrter Herr Lakowski,
    irgendwie gefällt mir der Artikel. Ich finde ihn mutig.

    Ob alle die ihn lesen verstehen, glaube ich nicht. Denn er lotet Tiefen aus, die viele Leute überfordern.
    Aber ich denke, Sie richten sich ohnehin nicht an „Alle und Jeden“.

    Mir sagt es zu, wenn der Begriff „Bewußtsein“ auftaucht und zwar im Zusammenhang mit der Medizin, die Sie vertreten.
    Diese hier vertretene Ansicht baut Brücken.

    Vielen Dank dafür.

    Mit freundlichen Grüßen
    M.Sch.

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